Kurzfassung des Gutachten zur ersturkundlichen Erwähnung des Berliner Hafens

Dr. Felix Escher, ehem. Gastprofessor an der Technischen Universität Berlin

Berlin, im Mai 2016

In Berlin dürften bereits im späten 12. Jahrhundert mit den ersten Siedlern Landestellen am Spreeübergang für Schiffe entstanden sein. Die Anlandestellen, mithin die „Häfen“, dürften für die Oberspree im Uferbereich gelegen haben, der sich östlich an den Mühlenhof anschließt und von der Stralauer Straße durch Stichgassen (zum Beispiel Krögel) erschlossen wurde. Die Stadt, die ein Recht wie das der Niederlage oder eines Zolles von auswärtigen Händlern erheben wollte, bedurfte eines Rechtstitels in Form eines schriftlichen Privilegs des jeweiligen Landesherrn. Der brandenburgische Markgraf Otto V. (der Lange) als zuständigem Landesherrn besiegelte am 8. Mai 1289 eine Urkunde, in welcher er unter anderem das Niederlagsrecht beurkundet und den Holz- und Schiffszoll von Schiffen verkauft, die über Fürstenwalde und Köpenick von und zum Mühlendamm kommen. Diese Urkunde ist – wie alle Urkunden solchen Alters – kritisch zu würdigen1.

Es dürfte sich um eine sogenannte Verunechtung eines echten Diploms des Markgrafen handeln, wie sie allerdings damals gängige Praxis war. Im Berlinischen Stadtbuch führt die Urkunde mit einer wortgetreuen mittelniederdeutschen Übersetzung im „Buch der Privilegien“ die Reihe der vom Landesherrn der Stadt übertragenen Rechte an² und unterstreicht den Wert des Diploms. Die Verunechtung muss erfolgt sein, bevor das Stadtbuch im letzten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts entstand.

Als Erstnennung der mit dem Schiffsverkehr verbundenen Abgaben und des Schiffsverkehrs bietet sich das Datum 7. Mai 1298 als urkundliche Geburtsstunde des Berliner Hafens an.

1 Hermann Krabbo, Die Urkunde Markgraf Ottos V. von Brandenburg vom Jahre 1298 für die StadtBerlin, im: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins 37 (!920), S.39-42.
2 Berlinisches Stadtbuch. Neue Ausgabe, veranstaltet bei der Feier des fünfundzwanzigsten Hochzeits-Jubiläum Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten des Kronprinzen Friedrich und der Kronprinzessin Victoria im Auftrag der städtischen Behörden Berlins. Berlin 1883, II. Buch Privilegien, S. 37f. Eine Neubearbeitung des Stadtbuches ist in Vorbereitung.